
Unter dem Begriff Physiotherapie werden Maßnahmen zusammengefasst, die die Funktionen des Organismus durch physikalische Einwirkungen gezielt beeinflussen.
Dabei geht es insbesondere darum, Fehlregulationen zu verhindern oder zu beseitigen und eine angemessene Funktion herbeizuführen.
Im Grunde trifft dies auch für therapeutische Maßnahmen aus anderen Fachgebieten zu und ist nicht allein spezifisch für Physiotherapie.
Worin liegt nun das Spezifische der Physiotherapie?
Dazu gehört die physiotherapeutische Befundaufnahme, die der
klassischen klinischen Diagnostik folgende besondere Gesichtspunkte
hinzufügt:
Nicht nur das Muskel-, auch das Gefäß-, Nerven- und Stoffwechselsystem sind durch Übung einer Wiedergesundung, einer Stabilisierung und durch weitere Verbesserung der Funktion sogar einer höheren Leistungsqualität zuzuführen. Die funktionelle Betrachtungsweise steht im Vordergrund.
Es ist zu prüfen und zu entscheiden, in welchem Funktionskreis Fehlregulationen nachzuweisen sind.
Wo muss entlastet, wo muss gefördert werden?
Ziel ist grundsätzlich die volle Funktion; selbstverständlich muss dieses Ziel unter Berücksichtigung der realen Möglichkeiten modifiziert werden.
Die unter den einzelnen Diagnosen aufgeführten Behandlungsgesichtspunkte (Beh. Ges.) sollen den Therapeuten auch auf verschiedene Fragestellungen bei der Befundaufnahme hinweisen. Physiotherapie ist als isolierte Behandlungsmethode wenig sinnvoll. Sie muss im Rahmen eines allseitigen therapeutischen Bemühens mit anderen konservativen (medikamentösen, diätetischen, psychotherapeutischen u. a.) oder chirurgischen Maßnahmen abgestimmt werden.
Dabei kann sie eine ergänzende oder unterstützende, aber auch
eine führende Rolle spielen.
Die Aufstellung des Behandlungsplanes sollte vom Arzt in Abstimmung
mit dem Physiotherapeuten und Patienten erfolgen.
Das Rezeptierbuch wendet sich an Arzt und Physiotherapeuten
und möchte helfen, Verordnung und Ausführung zu koordinieren.
Es empfiehlt sich, außer dem Gesamtziel zunächst das Nahziel
zu präzisieren, aus dem sich dann die Hauptansatzpunkte für die
Behandlung ergeben und die Stufenfolge bis zur Erreichung des
Gesamtzieles abzuleiten ist.
Die einzelnen Behandlungsmaßnahmen sind befund-, funktions und
reaktionsgerecht auszuwählen.
Es ist zu berücksichtigen:
Wirkungsweise und Kontraindikationen können im methodischen
Teil nachgeschlagen werden.
Bei aller Nützlichkeit auch passiver Maßnahmen, ist die aktive
Übungstherapie überall dort einzuordnen, wo die Möglichkeit
dafür vorhanden ist. Bei allem Üben müssen Erfolgserlebnisse
gewonnen werden können, wodurch der Patient zur Überzeugung
gelangt, seinem Leiden nicht passiv ausgeliefert zu sein,
sondern dass er in der Lage ist, durch eigenes Hinzutun und Üben
zu seiner Gesundung beizutragen.
Richtig angewandte Physiotherapie kann über die reine therapeutische
Wirkung hinaus durch ihren Einfluss auf Verbesserung der
Wahrnehmungsfähigkeit für Bewegungsabläufe, Spannungs- und
Lösungsvorgänge dazu beitragen, Einsicht in sinnvolle Gestaltungsmöglichkeiten des eigenen Lebens zu gewinnen.
Literatur: K. KNAUTH B.REINERS R. HUHN
Physiotherapeutisches Rezeptierbuch; Verlag: Urban & Fischer; ISBN 3-437-46630-5